Tipp des Monats Mai: Film: Soylent Green (2022… Die überleben wollen)

Soylent Green ist Menschenfleisch!“

Diesen Monat möchte ich wieder einen Film vorstellen, und zwar einen absoluten Klassiker der Dystopie, der leider – von Cineasten mal abgesehen- etwas in Vergessenheit geraten ist. Und dass, obwohl (oder weil?) er heute aktueller ist denn je.

In diesem genialen Film aus dem Jahre 1973 spielt Charlton Heston einen Cop, der in New York im Jahre 2022 den Mord an einem Industriellen aufzuklären versucht, und dabei auf eine Verschwörung ungeahnten Ausmaßes stößt…

Das Faszinierende – und gleichzeitig Gruselige- an dem Film ist in meinen Augen, dass er im Jahre 73 so viele Entwicklungen vorweg nimmt, mit denen wir heute bereits zu kämpfen haben, oder die vielleicht in ähnlicher Form noch kommen könnten, schließlich ist bis 2022 ja noch ein bisschen Zeit.

Die unaufhaltsame Bevölkerungsexplosion und die damit verbundene Plünderung der Ressourcen des Planeten, ist nur einer der Aspekte, die in den 70ern noch düstere Zukunftsprognosen, heutzutage jedoch bittere Realität sind.

In „Soylent Green“ ist der Mensch aufgrund seiner Menge austauschbar geworden, er hat seinen Wert als Individuum verloren. Die meisten leben in riesigen Städten, eng zusammengepfercht in winzigen Wohnungen (man beachte, dass es uns heutzutage als „Trend“ verkauft wird, in immer kleineren Wohnungen zu immer höherem Preis wohnen zu „wollen“). Nur die wenigen Reichen haben die Mittel, ihr Leben wirklich genießen zu können, der Rest arbeitet, um zu überleben. Die meisten sind so arm, dass sie sich keine normalen Nahrungsmittel leisten können, daher ernährt man sich von den sogenannten „Soylents“, die angeblich alles enthalten, was der Mensch zu Überleben braucht.

Dabei empfinden die meisten das „Soylent Green“ am Nahrhaftesten und Wohlschmeckendsten, weshalb es bei der Ausgabe regelmäßig zu Tumulten kommt, bis der Held aufdeckt, dass es sich dabei um Menschenfleisch handelt – hergestellt aus den Toten der Gesellschaft.

Schon Huxley hatte in seinem Roman „Schöne Neue Welt“ eine Gesellschaft geschildert, die so utilitaristisch ist, dass sie es als Verschwendung empfindet, ihre Toten zu beerdigen, da man doch so viele tolle Sachen aus ihrer Zellmasse herstellen kann. In „Soylent Green“ stellt man aus den Toten gleich Nahrung her und verfüttert sie an die hungrigen Massen.

Davon sind wir Gottseidank noch weit entfernt (hoffe ich), und doch gibt es eine Szene in dem Film, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ: darin stellt ein alter und kranker Mann fest, dass er eigentlich unnütz und eine Belastung ist und beschließt sich einschläfern zulassen. Das ist in der Gesellschaft Gang und Gäbe und wird so angenehm und „human“ wie möglich für den Betroffenen praktiziert.

Das hat mich schon arg an heutige Debatten erinnert, in denen gefordert wird, jeden dann sterben zu lassen, und ihm legal dabei zu helfen, wenn er es wünscht. Wie praktisch wird es doch sein, wenn alte und kranke Leute, die man nicht mehr braucht, freiwillig beschließen zu gehen … Das wäre doch zum Nutzen aller, oder nicht?

Alles in Allem ist „Soylent Green“ ein großartiger Film, der nichts von seiner Brisanz eingebüßt hat. Jeder Dystopie-Fan sollte ihn im Regal stehen haben!

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